Protokoll
der 62. Sitzung des Runden Tisches für Hochfeld am 7.10.2004

Ort: Falkenheim, Zeppelinstr. 4, Hochfeld

Reiner Leuchter

Protokollantin: Anke Lisner-Kolling



TOP 1 - Protokollarisches

Herr Leuchter eröffnete die Sitzung und bedankte sich bei Herrn Könen vom Falkenheim für die Gastfreundschaft.

Das Protokoll der 61. Sitzung wurde genehmigt. Herr Fobbe fügte noch an, dass die darin angekündigte Studie von Herrn Hübner noch überarbeitet werden muss und später als vorgesehen veröffentlicht wird. Außerdem verteilte er eine Übersicht des Sachstandes des Integrierten Handlungsprogramms als Ergänzung zur letzten Sitzung des Runden Tisches.

TOP 2 - Neu- bzw. Wiederwahl des Sprecherrates

Die drei bisherigen SprecherInnen Reiner Leuchter, Andrea Demming-Rosenberg und Anke Lisner-Kolling stellten sich für ein weiteres Jahr zur Verfügung, was von den anwesenden Mitgliedern einstimmig begrüßt wurde. Es gab keine Gegenkandidatur.

TOP 3 - Ergebnisse der Kommunalwahl Duisburg

Die Ratlosigkeit aufgrund der geringen Wahlbeteiligung in Hochfeld bei den Kommunalwahlen hat der Sprecherrat zu Anlass genommen, dies zum Thema dieser Sitzung zu machen. Dazu verteilte Frau Demming-Rosenberg verschiedene Statistiken über Bevölkerungsstruktur, Wahlbeteiligungen und genaue Stimmabgabe in den einzelnen Stimmbezirken.

Auffällig war:

- Allgemein sinkende Wahlbeteiligung über die Jahre, die Hochfelder Statistik wird aufgewertet durch die Einbeziehung von Wanheimerorter Stimmbezirken und Dellviertel-Süd.
- Im Stimmbezirk um den Bereich Brückenstraße liegt die Wahlbeteiligung bei besonders niedrigen 22 %.
- Bei der diesjährigen Stichwahl zum Oberbürgermeisteramt lag die Wahlbeteiligung noch niedriger.

In der nun folgenden Diskussion wurde nach dem Grund für die geringe Wahlbeteiligung gefragt.

- Die These der Grund sei das mangelnde Vertrauen in die Politiker wurde durch die höhere Wahlbeteiligung in anderen Stadtteilen wiederlegt.
- Es wurde darauf hingewiesen, dass es allgemein gilt, dass in sozialschwachen Stadtteilen - in Duisburg vor allem die Stadtteile mit erhöhtem Erneuerungsbedarf, Hochfeld, Marxloh, Bruckhausen - eine niedrige Wahlbeteiligung vorherrscht. Bei Städtevergleichen sei deutlich ein Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Kraft bzw. Schwäche, sozialer Kraft/Schwäche und Wahlbeteiligung erkennbar.
- Allgemein aber lasse die grundsätzliche Verringerung der Wahlbeteiligung auf eine geringe Erwartungshaltung an die Politik zu schließen.
- Abgesehen vom sozialen Status ergab sich eine These zur geringen Wahlbeteiligung der wahlberechtigten Migranten. Es habe sich eine Parallelgesellschaft entwickelt, die keinerlei Interesse an der Beteiligung an öffentlichen Prozessen zeigt.
- Im nachfolgenden entwickelte sich eine Diskussion über die mangelnde Integration der Migranten. Von der Migrationsseite wurde über mangelnde Toleranz der Gegenseite geklagt, die auch zur fehlendem Mitbestimmungswillen führe. Es wurde der Ruf nach Voranführen der Integration laut, vor allem aber der Sprachförderung, da diese das größte Hindernis darstelle. Außerdem wurde speziell den türkischen Migranten fehlender Integrationswille vorgeworfen.
Migranten anderer Nationen hätten längst nicht diese Schwierigkeiten, auch die Bereitschaft dieser Gruppen die deutsche Sprache zu erlernen sei wesentlich höher. Diese Diskussion wurde nicht weitergeführt, sondern als Thema für die nächste Sitzung im November vorgesehen.
- Ein Blick auf die "kleinen Parteien" lässt erkennen, dass diese es geschafft haben, ihre Wählerschaft zu mobilisieren, allem voran die PDS. Die "Rechten" haben eher nur geringe Anhänger, sind aber nicht in allen Stimmbezirken angetreten. Es sei aber keine "braune Gefahr" ersichtlich.
- Es gibt keine Antwort der Politikwissenschaft auf die Frage Warum die deutschen und auch die EU- Wahlberechtigten nicht zur Wahlurne gehen.
- Für die Älteren sei der Gang zur Wahlurne noch von Bedeutung, die können sich z.T. auch noch an Zeiten erinnern, bei denen das Wahlrecht nicht gewährleistet war. Bei den Jüngeren gäbe es kein Selbstverständnis wählen zu gehen. Die vielen Aktionen, die gestartet worden seien, um die Jungwähler zu mobilisieren, seien nicht angekommen.

Wie können die Hochfelder mobilisiert werden zur Wahlurne zu gehen und welchen Beitrag kann der Runde Tisch leisten?

- Vor allem sollte der Blick auf die 16 - 24jährigen gerichtet werden; es sollte wieder selbstverständlich werden, zur Wahlurne zu gehen. Die Schule muss versuchen, die Distanz Politik - Leben aufzuheben, die "ich kann eh nix ändern"-Haltung gilt schon früh aufzubrechen.
- Es gilt, die Personen, die sich hinter den Namen auf dem Wahlzettel verbergen, persönlich bekannt zu machen. Die Chance der Mitgestaltung soll sichtbar werden, indem sich die Politiker als Ansprechpartner offenbaren. Persönliches Engagement macht bekannt.
- Vorstellbar von Seiten des Runden Tisches sei die Organisation einer Veranstaltung in einer Schule vor den Landtagswahlen, in denen sich der RT vorstellt, aber auch die einzelnen Kandidaten der Landtagswahl, auch hier gilt es die Personen bekannt zu machen, aber auch die Möglichkeit des Einzelnen sich einzumischen.

Fazit: Das geringe Interesse der Bürger an ihrem Wahlrecht ist ernüchternd, aber es bleibt zumindest die Hoffnung durch Aktionen vor allem an Schulen das Wahlinteresse zu erhöhen. Hier liegt auch der mögliche Einsatzbereich des RT.

TOP 4 - Kultureller Beitrag des Stadtteils Hochfeld an den WorldGames 2005

Vom 14. bis zum 24. Juli 2005 ist im Rahmen der WorldGames die Welt zu Gast in Duisburg. Es gibt ein großes Begleitprogramm in ganz Duisburg und den Nachbargemeinden. Es werden neben den Zuschauern und Sportlern auch 1000e von Helfern nach Duisburg kommen, die ganze Veranstaltung ist weitaus mehr als "nur" Sport. In Reisebüros weltweit sind ganze Worldgames-Pakete - ähnlich wie bei Olympia und Fußball-WM - zu buchen.

Herr Leuchter stellte jetzt die Frage, warum nicht auch Hochfeld einen Teil dazu beitragen soll, z. B. mit einem internationalen Kulturprogramm. Vorstellbar seien Konzertreihen oder auch "Theater der Welt". Das Ziel hierbei sei die Darstellung des Stadtteils nach außen mit Wirkung nach innen. Mögliche Veranstaltungsorte könnten dabei Brückenplatz, Paulusplatz, Marktplatz und auch der Vorplatz des TAM sein.

Nun gibt es hierbei die Möglichkeit sich über die Dachorganisation ein Stückchen WorldGames zuteilen zu lassen oder doch lieber einfach von selber tätig zu werden. Die Runde bevorzugte die Idee des eigenständigen Handelns, da dann auch eigenständig entschieden werden kann, was gemacht wird und nicht einfach irgendwas zugeteilt zu bekommen.

Natürlich bedarf auch der zeitliche, finanzielle und räumliche Rahmen vorab der Klärung. Weiterhin muss überlegt werden auf welchem Niveau das stattfinden sollte. Eine Menge Vorarbeit wird nötig sein, um dieses Projekt überhaupt erst ins Rollen zu bringen. Einig war sich der RT, dass ein gewisses Qualitätsniveau gesetzt werden sollte.

Mögliche Stolpersteine bei der Organisation sind:

- Die WorldGames finden in den Schulferien statt, Schulen sind also nur sehr schwer zu mobilisieren.
- Alle Sportvereine Duisburgs sind schon stark in die WorldGames mit einbezogen.
- Die Organisation einer Veranstaltung mit einem gewissen Niveau ist extrem aufwändig und sehr schwer im Alleingang zu bewältigen.

Folgende Programmvorschläge wurden gemacht:

- Ein Straßenfest auf der Wanheimer Straße, mit Musik, Folklore und Imbissständen
- Ein internationales Musikprogramm auf dem Hochfelder Markt, bei dem alle Musiker am Schluss zusammen spielen
- Ein interaktives Programm bei dem bestimmte Sportarten der Games nachvollzogen werden, z.B. Tauziehen, Klettern
- Eine 20 Leute starke Truppe der Falken arbeitet im Moment an einer tanz-, akrobatisch-, gesangs- mäßigen Aufführung zum Thema "Völkerverständigung", diese könnte man in die Planungen mit einbeziehen.
- Organisation einer großen Bühne mit internationalem Programm und kulinarischen und auch kulturellen Highlights.

Trotz des Wissens um die Schwierigkeiten eines solchen Vorhabens, war der Wunsch der Mitglieder des RT Hochfeld auch mal auch mal von einem Großereignis profitieren zu lassen sehr groß. Wichtig dabei ist es, realistisch zu bleiben.

Es gilt also jetzt erst mal zu sondieren, ob ein gutes Konzept entwickelt werden kann. Alle Mitglieder des RT, die sich daran beteiligen wollen, sind gebeten, sich bei einem der Sprecher zu melden.

TOP 5 - Verschiedenes

Herr Michael Seipel vom "Stadtteilmarketing Hochfeld" stellte sich vor und lädt ein zu der geplanten Auftaktveranstaltung zum Stadtteilmarketing im November. Diese findet statt am 20.11.2004 um 15:00 Uhr im Pulp.

Bei der Veranstaltung geht es darum, Stärken und Besonderheiten des Stadtteils herauszufinden und es sollen Ideen entwickelt werden wie Hochfeld und seine interessanten Seiten bekannter gemacht werde können. Außerdem soll ein Lenkungskreis gegründet werden, der sich darum kümmert, dass diese Ideen auch umgesetzt werden. Einladungen werden noch verschickt.

Des weiteren bot er seine Hilfe bei der Verwirklichung der Pläne für eine Veranstaltungsreihe zu den WorldGames an.

Der Zeitrahmen des Stadtteilmarketings liegt von September 2004 bis September 2005. Auftakt bildet die Veranstaltung im November , der dort gegründete Lenkungskreis erarbeitet Projekte und Maßnahmen, die dann gegen Ende des Zeitrahmens - also im Sommer 2005 - konkretisiert und ausgeführt werden sollen.

Nächster Punkt war die 100 € Spende der Eheleute Visser-Thiel. Es wurde der Vorschlag gemacht, diese Spende an die Grundschule Hochfelder Markt für ihre offene Ganztagsschule weiterzuleiten. Diesem Vorschlag wurde zugestimmt.

Herr Uca vom VIKZ lud die Mitglieder des Runden Tisches zum gemeinsamen "Iftar" (Fastenbrechen) während der kommenden Ramadan-Wochen ein. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Herr Könen vom Falkenheim berichtete von einem geplanten Kinder- und Jugendfest im nächsten Jahr. Dieses wird organisiert von verschieden Institutionen des Stadtteils, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und soll am Jugendtreff Immendal (blaues Haus) stattfinden.

Die nächste Sitzung des RT findet am 9.11. statt. Anmerkung: Leider kann diese Sitzung nicht wie angekündigt im Polizeipräsidium an der Düsseldorfer Strasse stattfinden.

TOP 4 - Verschiedenes

Nächste Sitzung: Dienstag, 12.10.2004, 19.00 Uhr, Ort: Falkenheim Zeppelinstraße



Zurück