Protokoll
der 53. Sitzung des Runden Tisches für Hochfeld am 11.11.2003

Ort: Emil-Rentmeister-Hauptschule

Moderation: Andrea Demming-Rosenberg

Protokollant: Thorsten Pomp



TOP 1 - Regularien

Nach Begrüßung der Sitzungsteilnehmer durch Frau Demming-Rosenberg erfolgte eine kurze Vorstellungsrunde.

Herr Kortmann stellte den neuen Sozialarbeiter der Emil-Rentmeister-Hauptschule, Herrn Hengst, vor. Herr Hengst wird für die nächsten 3 Jahre an der Emil-Rentmeister-Hauptschule tätig sein. Er wird neben der Emil-Rentmeister-Hauptschule auch die Hauptschule am Knevelshof betreuen.

Herr Ilhan stellte sich und sein durch die EG DU getragenes neues Projekt "Väterarbeit" vor.

Drei Gäste der Polizei Duisburg stellten sich ebenfalls vor. Sie waren hauptsächlich vor Ort, um sich den Vortrag "Ermittlung der Beteiligungsbereitschaft von Selbstorganisationen der Migranten am Gemeindewesen" anzuhören.

TOP 2 - Wahl des 3.Sprechers bzw. Sprecherin des Runden Tisches

Der dritte Posten innerhalb der Sprecherrunde wurde gewählt.
Frau Anke Lisner-Kolling wurde einstimmig von den Mitgliedern des Runden Tisches in diese Position gewählt.

TOP 3 - Vortrag/Dialog zur Studie "Ermittlung der Beteiligungsbereitschaft von Selbstorganisationen der Migranten am Gemeindewesen"
vorgetragen/angeleitet durch Prof. Dr. H. Hübner

Diese, durch Prof. Dr. H. Hübner vorgestellte Pilotstudie, wurde von der EG DU in Auftrag gegeben.

Die Hauptfragestellung dieser Studie war, in wie weit sind bestimmte Personen bereit sich aktiv an Angeboten, Organisationen und vor allem am Dauerdialog (nicht nur einzelnes Auftreten) im Stadtteil zu beteiligen.
In wie weit sind sie bereit, sich an gemeinschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen des Stadtteils einzubringen.

Als Stilmittel für diese Studie nutzte man eine Form von aktivierender Befragung. Man ist also auf die zu befragenden Personen zugegangen und hat versucht, diese nicht durch vorgegebene Formblätter einzuengen, sondern ihnen in einem offenen Gespräch viel Freiraum zu bieten.

Das in der Öffentlichkeit immer wieder bemängelte passive Verhalten von Migranten und die geringe Bereitschaft sich den öffentlichen Diskussionen zu stellen, zeigte sich bei dieser Pilotstudie nicht.
Es gab eine hohe Bereitschaft unter den befragten Migranten, sich an dieser Studie zu beteiligen.

Prolog:
Für einen Stadtteil wie Hochfeld ist es enorm wichtig, sich auf die vielen Einwanderer einzustellen. Ziel sollte es sein, die Migranten aus den verschiedensten Ländern zu integrieren und die Kooperation zu fördern. Integration sollte das oberste Ziel sein, was aber nicht bedeutet, dass alleine die Migranten sich anzupassen haben. Vielmehr ist ein produktiver Umgang miteinander von Nöten.
Zur Zeit fehlt es leider weitestgehend am gemeinsamen Dialog.

Die Studie teilt sich in zwei Bereiche:

1.Teil
Entwicklung des Verhältnisses Einwanderer zu Einheimischen / "Außenseiter zu Etablierten"

2.Teil
Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation. / Die eingetragenen Vereine - e.V.´s

1.Teil
In den `60er Jahren erfolgte ein intensiver Wegzug deutscher Bewohner Hochfelds. Es zog die meist mittelständischen Bürger in "schönere" Gegenden. Hauptfaktor dafür war, dass man einfach schöner und ruhiger wohnen wollte Die Arbeit und das Geschäftsleben fand aber weitestgehend weiterhin in Hochfeld statt. Dieser Prozess dauerte ca. 10 Jahre.

Weitere 10 Jahre später setzte ein zusätzlicher Faktor ein. Man wollte als "etablierter" Bürger Hochfeld verlassen, da immer mehr Migranten in den zentral gelegenen Stadtteil drängten. Parolen wie "Ausländer nehmen uns Arbeitsstellen und Wohnungen weg" nutzte man als zusätzliche Argumente.

2. Teil
In der aktuellen Situation ist festzustellen, dass sich die "deutsche Restbevölkerung" nicht mit der Stadtteilentwicklung abfindet. Es fällt ihr schwer in einen nötigen Dialog zu treten.

Eine Statistik zur Einwohnerstruktur und ihrer historischen Entwicklung wird durch Prof. Dr. Hübner dem Protokoll beigelegt.
Zu dieser Statistik wurde von polizeilicher Seite angemerkt, dass sich bedeutend mehr Migranten im Stadtteil aufhalten, als statistisch zu erfassen sind. Sie bleiben als "Gäste" eine gewisse Zeit in Deutschland und reisen dann wieder in ihre Heimat. Sie halten sich mit "Besuchervisen" in Hochfeld auf.

Wichtig beim Thema Stadtteilentwicklung/Erneuerung ist auch die veränderte Rolle der Stadt.
Während früher in erster Linie an der Erneuerung von Straßen, Parks, Gebäuden und Plätzen gearbeitet wurde, und es nur in geringerer Weise darum ging, die Menschen in einem Stadtteil zur Mithilfe zu motivieren, geht es heute weitestgehend um "Soziale Investitionen".

Es bedeutet, dass man vordergründig versucht, das soziale Interesse der Bürger zu wecken und zu stärken. Die Stadt, welcher die finanziellen Mittel fehlen, erhofft sich dadurch mehr Eigenverantwortung der Bürger, und nicht zuletzt auch private Investoren, die sich in irgendeiner Form im Stadtteil einbringen.

Die eingetragenen Vereine e.V.`s

Sich in Vereinen zu organisieren ist der Weg, den die Migranten gehen (müssen).
Ziel dieser verschieden gelagerten Vereine sind vordergründig Ausübung von Religion, gemeinschaftlicher Sport, soziales Miteinander, Erfahrungsaustausch, Integration "neuer" Migranten und Weiterführen der heimatlichen Kultur.

In der Anfangsphase der Studie stellte sich die Frage: "Welche Vereine sind in Hochfeld ansässig, und was sind ihre Interessen?"

Schwerpunkt: Anzahl:
1. Religiöse e.V.`s
2. Bildung & Kultur
3. Sport e.V.`s
4. Politische e.V.`s
5. Freizeit e.V.`s
(sechs)
(fünf)
(vier)
(zwei)
(zwei)

Innerhalb der e.V.´s haben sich im Bezug auf die "Gründerzeiten" der `70er Jahre viele Veränderungen ergeben.
Während früher die Schwerpunkte weitestgehend auf die religiösen Belange und eine Weiterführung der heimatlichen Kultur ausgerichtet waren, sind die Aufgaben, welche sich die Vereine heute stellen, breiter gefächert. Es hat ein sichtbarer Verjüngungsprozess bei den Verantwortungsträgern stattgefunden. Mit einem fundierten Fachwissen über das Vereinswesen im allgemeinen wird selbstbewußt die Entwicklung des Vereinsleben vorangetrieben.

Religiöse Vereine:

Die Ziele der einzelnen Vereine ähneln sich weitestgehend, trotzdem findet kein großer Austausch bzw. eine Kooperation statt.
Vielmehr stehen sie sich, wirtschaftlich gesehen, als Konkurrenten gegenüber.

Das ist laut Hr. Uca (VIKZ) aber nicht überzubewerten! Viele Muslime nutzen je nach Bedarf die verschiedenen Angebote der Vereine, ohne dadurch finanzielle oder religiöse Verpflichtungen einzugehen.

Die Zielsetzungen der religiösen Vereine haben sich im Laufe der Jahre geändert.
Während man früher im Schwerpunkt die Ausrichtung vom Freitagsgebet und die Koranschulung für Kinder betrieb, übernehmen die Vereine heute vielschichtige Aufgaben in der Betreuung ihres "Klientels".

Aus dieser Feststellung heraus entwickelte sich eine rege Diskussion.

Welche sozialen Angebote sind es?
Gibt es nicht schon genug soziale Angebote, und wäre es im Bezug auf Integration nicht auch besser, diese allgemein für jeden Bürger zur Verfügung stehenden Angebote wahrzunehmen?
Wer "darf" welche Vereinsangebote nutzen?
Stehen diese Vereinsangebote jedem Bürger zur Verfügung?
Ist das so, wie es die Vereine angelegt haben, überhaupt rechtens?
Sind denn die "deutschen" kirchlichen Angebote offen angelegt?
Muss ein Verein überhaupt offen angelegt sein?
Ist es nicht einfach nur normal, das ein Verein sich natürlich in erster Linie um seine Mitglieder kümmert?
Selbst wenn die Vereine sich öffneten, würden die Angebote dann von Nicht- Muslimen genutzt?

Im Endeffekt ist festzustellen, dass alle am Runden Tisch beteiligten Vertreter sich ein größeres Miteinander wünschen.
Vertreter der Polizei teilten mit, dass durch sie von Seiten der muslimischen Vereine eine herzliche und offene Art immer an der Tagesordnung sei.
Hr. Uca legt großen Wert darauf, seine Arbeit im Schülerwohnheim transparent anzulegen.
Geplant sei in Zukunft z.B. eine offene Hausaufgabenhilfe.

Die nächste Schwerpunktfrage die sich innerhalb der Diskussion stellte, war, warum die Vereine kaum an der öffentlichen Diskussion teilhaben (z.B. Teilnahme am RT)

Dazu sagte Prof. Dr. Hübner, dass Bereitschaft zur aktiven Mitgestaltung durch die Migrantenvereine bestehe, aber bis jetzt noch nicht der richtige Weg gefunden sei, diese zu integrieren.
Man müsse mehr auf die Vereine zugehen.
Der Runde Tisch und seine Zusammensetzung habe eher eine abschreckende Wirkung auf die Vereine. Es fehle dort an "Bürgernähe" (viele Vertreter von Institutionen und zu wenig Bürger).
Die Ziele der Stadtteilerneuerung müsse den Vereinen transparenter gemacht werden.
Man müsse mehr auf die Vereine zugehen und Veranstaltungen (wie z.B. der RT) müssten auch in den Vereinen stattfinden.
Gemeinsam mit den Vereinen sollte man Feste organisieren und feiern um ihnen so die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung zu geben.

Weitere Ideen:

Austausch von Folklore Veranstaltungen
Bildungsangebote vernetzen
Migrantenvereine stellen sich vor ( z.B. bei jedem RT ein Verein)
Beteiligung von Migranten am Projekt Eigentümer-Initiative

Fazit des Vortrags:  Brücken müssen geschlagen werden!!!

TOP 4 - Stand des Projekts Feuerwache

Die Ansprechpartner (Projektbeteiligte) konnten aus beruflichen Gründen leider nicht am RT teilnehmen.
Frau Gorres informierte den RT über aktuelle Entwicklungen.

Am 22.10.03 fand ein Gespräch zwischen EMD und der EG DU statt. Der (Muster)Entwurf des Mietvertrages liegt seitdem vor.

Am 24.10.03 fand eine Bürgerinformation statt. Es kamen nur wenig Besucher, aber ihre Resonanz war positiv.
Das geringe Interesse an dieser Bürgerinformation ist schwer zu erfassen.
Gründe dafür könnten die allgemeine Unlust der Bürger an Mitbestimmung, die vielen eher "negativen" Berichte in den Medien, das langsame Vorankommen aller Hochfelder Projekte oder einfach ein Vertrauen darauf, dass die Fachleute alles im Griff haben, sein.

Am 08.12.03 findet die vorerst für das Projekt wichtigste Ratssitzung statt, in der über die finanzielle Beteiligung der Stadt entschieden wird.
Die Vorzeichen für eine Realisierung des Projektes stehen gar nicht so schlecht, da die Stadt im Vergleich zu den privaten Investoren nur eine eher geringe Last tragen müsse.

Frau Wosnitzka wies darauf hin, dass am Gremium "Lenkungskreis Projektmanagment" mitgearbeitet werden kann / sollte! Nur so kann der RT mehr Gewicht in die weitere Entwicklung des Projektes "Feuerwache" legen.

Fazit von Fr. Gorres war, dass sich das Projekt positiv entwickelt und immer weitere Vertiefungen in Details stattfinden.
Der Verein ist gegründet und "Mitstreiter" werden gesucht! Alle Interessenten sind dazu herzlich eingeladen.

Fazit vom RT war, dass weitere Informationen regelmäßig eingeholt werden müssen. Als Bürgervertretung muss man den Anspruch haben, für die Bürger nachzufragen. Die Organisatoren des Projektes "Feuerwache" sollen nach Möglichkeit ihren Stand der Dinge beim RT vorstellen.
Die "Leuchtturmfunktion" der Feuerwache soll nicht aus den Augen verloren werden.

TOP 5 - Stadtteilfest 2004

Es wird Zeit, sich über das Stadtteilfest im nächsten Jahr auszutauschen.
Frau Spalevic stellte die Frage, ob der RT mehr Verantwortung bei der Organisation des Festes übernimmt und eine Arbeitsgruppe beauftragt, welche sich bereit erklärt das Stadtteilfest zu organisieren.

Wichtig dabei war, ob der RT dieses überhaupt möchte, und was der Werbering, welcher bis jetzt Hauptausrichter dieses Festes war, dazu sagt.

Herr Willms, der in Vertretung des Werberings am RT teilnahm, stellte klar, dass der Werbering sich über eine noch aktivere Beteiligung des RT am Stadtteilfest freuen würde.

Auch der "Image Marketing Ausschuss" erklärte sich zur Mitarbeit an der Organisation des Stadtteilfestes bereit.

Herr Willersen (Bezirksamt) riet, dass eine solche Arbeitsgruppe einen kleinen Lenkungskreis haben sollte. Den bevorstehenden Arbeitsaufwand für diese Gruppe stufte er erfahrungsgemäß hoch ein. Feste, die aus einem solchen internen Kreis organisiert werden, seien allerdings meistens die "schöneren" Stadtteilfeste.

Es wurde der Antrag gestellt, dass der Runde Tisch die Organisation des Stadtteilfestes übernimmt.

Der RT stimmte, bei einer Enthaltung, zu.

Der RT beauftragt eine Arbeitsgruppe, die sich bereit erklärt, das Stadtteilfest zu organisieren.

TOP 6 - Neuantrag auf Mitgliedschaft

Herr Beuels beantragte als Bürger Hochfelds und Mitbegründer der Eigentümerinitiative eine Mitgliedschaft am RT, welche einstimmig angenommen wurde.



Zurück