Protokoll
der 49. Sitzung des Runden Tisches für Hochfeld am 08.04.2003

Ort: Service Zentrum AWO, Karl Jarres Strasse 100-104

Moderation: Bodo Mörbitz

Teilnehmer: siehe Anwesenheitsliste

Protokollant: Herr Kortmann



TOP 1

Herr Mörbitz begrüßt als Versammlungsleiter die Teilnehmer.Tagesordnung und Protokoll der letzten Sitzung werden genehmigt.Unter Punkt Verschiedenes wird für eine kommende Sitzung zum Thema Umwelt beraten.

TOP 2

Herr Schwarthans (AWO DU) referiert zum Thema "Islamische Organisationen in Deutschland und Duisburg".
Vorweg bemerkt er, dass er mit seinen Ausführungen keinerlei Kritik am Islam als Religion übe. Er sehe sich mit großem Respekt vor jedem gläubigen Muslim.Es gehe ihm um Information über islam. Organisationen und deren Auswirkungen in der Gesellschaft.
Vor dem Hintergrund latent vorhandener ethnischer Vorbehalte und Überfremdungsängsten (Muezzin-Ruf Diskussion) gelte es Emotionen in einer Dialog-Kultur aufzunehmen.Dies allerdings könne nicht zwischen Funktionären sondern auf der Basisebene der Menschen im Stadtteil geschehen.
In der aktuellen Duisburger Situation befinden sich im übrigen auch islamische Organisationen im Wandel.
Herr Schwarthans bezieht sich im Referat wesentlich auf die sunnitische Glaubensrichtung.

Beginnend mit der 40-jährigen Geschichte der Migration verweist Herr Schwarthans auf die Tatsache, dass in Deutschland 3,2 Muslime leben, 4,2% der Bevölkerung. Islamische Organisationen hier stehen häufig der Türkei nahe, eine halbe Million Zuwanderer besitzen einen deutschen Pass, 12 % der Muslime besuchen zum Freitagsgebet eine Moschee.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) versteht sich als Partner der Politik und ist um den gesellschaftlichen Abgleich muslimischer Gläubiger bemüht.Für Integration und gegen Abgrenzung haben sich 19 Gruppierungen, finanziert aus Mitgliedsspenden, 70% oder 3,2 Mill. Muslime umfassend zusammengeschlossen.

Mittlerweile ist der Verein Islamischer Kulturzentren (22000 Mitglieder) aus dem Zentralrat auf Weisung der zentralen Vereinsspitze in der Türkei hin ausgeschieden.Ein Rückzug aus dem Dialog ist zu registrieren, ein Primat der Religion über die Politik festzustellen, autoritäre Führungsstruktur mit Treueeid und Gehorsam hat Platz ergriffen. In Köln betreibt der VIKZ eine eigene Bildungsakademie.Mit Internaten und Bildungseinrichtungen wird gezielt beabsichtigt, eine konservative muslimische Gesellschaft in Deutschland aufzubauen. Die Hinwendung nach innen nimmt Einfluss auf eine Entwicklung in eine Parallelgesellschaft, auch gegen die laizistischen Prinzipien Atatürks in der Türkei.

Eine zweite hoch bedeutsame islamische Organisation ist die des türkischen Religionsministeriums: DITIP. Sie übt auf 700 der 2200 Moscheen in Deutschland einen entscheidenden Einfluss aus. Durch Konsulate beaufsichtigt, transportiert sie kulturell/ideologische Inhalte in Loyalität zum türkischen Staat.Wenn nach 3-5 Jahren jeweils die in Deutschland tätigen Imame wieder abberufen werden,verhindert nicht nur die fehlende Sprachkenntnis der religiösen Führer eine Integration.Es gibt keine Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Muslime.

Ist der Zentralrat der Muslime in Deutschland Hauptansprechpartner in der BRD, bei dem kaum Raum für Extremismus bleibt, sieht dies in der Islamischen Religionsgemeinschaft Mille Görus völlig anders aus (IGMG).
Nicht mit Gewalt, allerdings im Marsch durch die Institutionen, geht es um einen Wandel auf lange Sicht: eine Islamisierung der Nation, auch der Türkei. Als Vertreter des politischen Islam wird hier auch über wirtschaftliche Macht mit hohen Geldsummen eine Spaltung der Gesellschaft bezweckt.Grünes Kapital wird bewusst eingesetzt um konservativ ideologisierten Einfluss zu erlangen und gezielt über Ghettoorganisation soziale Kontrolle zu erreichen.Sprachbarrieren sind erwünscht und befördern die Umsetzung von Parallelstrukturen islamischer Kultur zum Erwerb politischer Macht.Längst versteht sich die Organisation als im Wettbewerb mit dem deutschen Handelssystem begriffen und schafft mit eigenen Gütesiegeln, Bescheinigungen,Zertifikaten und Banken einflussreiche Realitäten.

In Duisburg existieren
9 Moscheen in der Trägerschaft von DITIP,
4 unter der Führung von Milli Görus und
10 in Verantwortung des VIKZ, davon 2 Internate.

ATIP, Islam.Nationalliste und die Kaplan-Gruppierung spielen keine Rolle.

2 arabische Moscheen (Marxloh/Hochfeld) gibtes, in konservativer Ausrichtung geführt.

Im Anschluss an das Referat wird diskutiert.
Herr Ucar vom VIKZ stellt wesentliche Aussagen von Herrn Schwarthans in Abrede. Ziel der Arbeit islamischer Organisationen sei die Stärkung des religiösen Lebens, wirtschaftliche Abgrenzung zur Machtausübung existiere nicht.Der Vorstand der Hochfelder Moschee habe gewechselt, eine öffentliche Kooperation in Sachen Schülerwohnheim werde angestrebt,seit dem 11. Sept. gäbe es zunehmende Vorbehalte und Ausgrenzung. Die Querelen um die Eröffnung der Bruckhausener Moschee seien unglücklich gehandhabt und eine Gegendarstellung in der Zeitung versäumt worden.
Herr Saidi von der arabischen Gemeinde vermisst notwendige Schritte aufeinander zuzugehen.Seine multinationale Gemeinde umfasse 14 Nationen und möchte endlich aus dem "Hinterhof-Dasein" heraustreten und in notwendiger Toleranz beider Seiten in Deutschland Anerkennung finden.
Frauenbild,Islamunterricht an Schulen,Erziehungskonzept, die Wahrung des Grundgesetzes als Selbstverständnis beim Wirken im bundesrepublikanischen Alltag werden hinterfragt..Die politische Vernetzung islam. Organisationen zu beleuchten oder deren wirtschaftliches Bestreben zur Einflussnahme anzusprechen wird als legitim bewertet.Erziehungsdefizite werden nicht nur bei Migrantenfamilien sondern auch bei deutschen Familien festgemacht. Nach Meinung der muslimischen Vertreter hat sich der deutsche Staat jedoch zu wenig um einen Dialog bemüht.
Alle Beteiligten halten es für wichtig, nicht die Repräsentanten der Organisationen sondern die Menschen vor Ort im Alltag zusammenzubringen.Neben der notwendigen differenzierten Betrachtungsweise gilt es, weitere Abgrenzung aufzubrechen und gewachsene Barrieren im konkreten Tun niederzureißen.
Die Ausstellung "Eine Welt Hochfeld" des Ev. Familienbildungswerks kann als Beispiel gelten.
Herr Hübner bietet zur Verdeutlichung konkreter Arbeit muslischer Organisationen in Hochfeld einen Bericht über eine Untersuchung zum Thema Moscheevereine/Migrantenarbeit an.

TOP 3

Das Projekt Feuerwache, so berichtet Herr Willhardt vom Lenkungskreis, ist weiter auf dem Wege. Eine Reihe konkreter Zusagen von Nutzern liegt vor, der Vertragsentwurf soll bis zum 5.6. fertiggestellt sein. Planung und Bau der unteren Etage/1.Etage sind konzipiert, das Dach bleibt als Reserve.Als deadline für "Startklar" wird der 10.7.genannt.
Signale in den Stadtteil sollen Impulse geben für weitere Nutzer/Initiativen zur Belegung der Räumlichkeiten.

Verschiedenes

Der 50. Runde Tisch soll als Besonderheit in einem Restaurant tagen. Seitens der EG-DU ist finanzielle Unterstützung zugesagt.Für den Termin 8.7. sollten die Mitglieder möglichst kurzfristig in der Geschäftsstelle (Leb. Hochfeld) ihre Teilnahme kundtun.Ein Vorschlag für diesen Abend heißt: Spanischer Elternverein.

Der Termin zum Übergabefest des fertiggestellten Brückenplatzes wird in der nächsten Sitzung bekanntgemacht. Die zur Zeit unbefriedigende Verkehrslenkung im Bereich Friedenstr./Hochfeldstr. wird angesprochen.

Teilnehmerliste

  • Herr Walter EV. Familienbildungswerk
  • Herr Apaydin AWO
  • Frau Canpolat Internat. Initiative
  • Frau Robins Internat. Initiative
  • Frau Spalewic AWO
  • Herr Beuels
  • Herr Dominick EG-Du
  • Herr Kolling
  • Frau Haesters Stadtteilausschuss, Bez. Vertr.
  • Herr Hübner Leb. Hochfeld
  • Herr Dr. Saidi Islam. Gemeinde Mahjid Ali e.V.
  • Herr Schwarthans AWO Referent
  • Frau Schreiber-Demming AWO
  • Frau Gül AWO
  • Frau R. Capolat
  • Frau Diepenbrock Amt f. Soziales Wohnen
  • Herr Wisotzky Polizei
  • Herr Ucar VIKZ
  • Herr Ackermann Bez.Vertr. Mitte
  • Frau Wosnitzka
  • Herr Willhardt
  • Herr Mörbitz
  • Frau Demming-Rosenberg SPD Hochfeld
  • Herr Kortmann Schulen Protokollführer


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