Vorläufiges Protokoll
Der 46. Sitzung des Runden Tisches für Hochfeld vom 11.02.2003

Ort: Service Zentrum AWO, Karl Jarres Strasse 100-104

Teilnehmer: siehe Anwesenheitsliste

Moderation: Jürgen Mickley, Bürgerfunk Duisburg

Eröffnung der Sitzung

Herr Mörbitz eröffnet die Sitzung mit einem besonderen Gruß an die zahlreichen Gäste der Veranstaltung. Sein besonderer Dank des RundenTisches für Hochfeld gilt den Experten auf dem Podium, dem Moderator Jürgen Mickley und dem Gastgeber Herrn Schweichler und seinem Team.
Das Thema des Abends steht unter dem Motto "Schöner Wohnen in Hochfeld" und soll insbesondere einen Diskussionsbeitrag über die Wohnqualität im Stadtteil liefern.

Im folgenden werden die Beiträge des Abends zusammenfassend dargestellt und - soweit möglich - den RednerInnen zugeordnet.

Im ersten Teil der Sitzung lieferten die Experten Statements zu "ihren" Themen.

Roland Richter, Amt für Statistik

  • Der allgemeine Trend des Bevölkerungsrückgangs in Städten des Ruhrgebiets ist auch in Duisburg zu verzeichnen. Sind es heute noch knapp über 500.000 Einwohner, so werden bei Fortsetzung des Trends im Jahr 2015 nur noch 470.000 in Duisburg wohnen.

  • Dieser Trend des Bevölkerungssverlustes gilt auch für den Bezirk Stadtmitte und insbesondere für Hochfeld:
    - Bezirk Stadtmitte (9 Stadtteile einschl. Hochfeld): 1975 -142.000 Ew., 2002 -107.00 Ew. (75%)
    - Hochfeld:1975 - 24.000 Einwohner, 2002 - 16.080 (entspr. 67% bezogen auf 1975), davon rund 6000 (=37,5%) ausländische Einwohner (Gesamtstadt:....%)

  • Per Saldo sind es 4.000 Einwohner mehr, die die Stadt verlassen als die, die nach Stadt Duisburg zuziehen. Ziele des "Wegzugs" sind insbesondere die Kreise Wesel und Kleve. Auch in Hochfeld gibt es insgesamt mehr Weg- als Zuzüge. Allein bei der ausländischen Bevölkerung ist der Saldo positiv. Das heißt: Es ziehen mehr Ausländer nach Hochfeld als von Hochfeld weg.

  • Wichtiger Gründe für den Fortzug in die o.a. Kreise sind die so genannte Eigenheimprämie ("Eigenheimförderung=Wegzugsförderung")und die vergleichsweise günstigeren Grundstückspreise.

  • Hauptmotive für den Wegzug sind nach Prof. Blotevogel (Universität Duisburg) insbesondere der Versuch, das "soziale Umfeld" zu verbessern und den "Umweltproblemen" in der Stadt ("raus ins Grüne") zu entfliehen.

  • Hochfeld ist Multi-Kulti: Während in der Gesamtstadt der Anteil der türkischer Bewohner an der ausländischen Bevölkerung bei 70-80% liegt, sind es Hochfeld nur knapp 50%. 15% der ausländischen Bevölkerung Hochfelds kommen aus dem ehemaligen Yugoslawien, 12% aus Griechenland, 8 % aus Italien und 15% aus den anderen Ländern der Welt.

  • Hochfeld ist ein "junger Stadtteil: 26% aller DuisburgInnen sind über 60 Jahre alt. In Hochfeld sind es nur 20%. Die Prognose sagt, es werden 18%. Dies hat insbesondere Konsequenzen für die Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Spiel- und Sportplätze u.a.m.)

In einem vergleichsweise ernüchternden Beitrag stellt der Investor Mevlüt Akkurt heraus, dass die Investition in Wohnungen sich für ihn bisher nicht gelohnt hat. Er klagt über Wohnungsleerstand und insbesondere darüber, dass sich sein Versuch über das Zusammenleben von seinen türkischen Landsleuten und deutschen Familien nicht bewährt hat. Aus seiner Sicht bestehen immer noch große Unterschiede in der Lebensführung oder Mentalität der beiden "Kulturen". Akkurt sieht im Moment als privater Investor wenig Spielraum für Veränderungen, da vor allem die Banken zur Zeit sehr zurückhaltend agieren. Er setzt große Hoffnung in die Veränderungen durch öffentliche Investoren. Vor allem die geplante Bundesgartenschau könnte aus seiner Sicht einen großen Schub für den Stadtteil bringen.

Herr Berndsen, Kleve, Investor im Wohnungsbau, sieht die Lage völlig anders und tut genau das was, von einem Investor erwartet wird. Er investiert - und zwar im Stadtteil Hochfeld: Hochfeld hat gute Einkaufsmöglichkeiten, liegt nahe an der Innenstadt und braucht gute Konzepte zur Erneuerung des überwiegend alten Wohnungsbestandes. Denn nur dann lohnt es sich auch aus seiner Sicht, hier zu investieren. Sein Unternehmen hat auf der Eigenstrasse fünf Gebäude aus dem Jahre 1903 erworben. Davon sind 3 Gebäude noch nicht saniert. Sie haben noch Ofenheizung und das WC auf halber Treppe. 2 Gebäude wurden in den 50er Jahren renoviert. Die Planungen von Berndsen sehen vor, 2 Gebäude bis auf den Keller abzubrechen und neu aufzubauen. Drei der Gebäude werden kernsaniert, modern ausgestattet und zum Teil behinderten- und/oder seniorengerecht hergestellt. Die beiden neuen Häuser erhalten Aufzüge, einen Garten und können wegen der sozialen Förderung zu Mietpreisen von 3,80 -4,30 Euro Kaltmiete angeboten werden. Die kernsanierten Gebäude werden für Kaltmieten von 5,50 Euro angeboten. Die Wohnungen sind so geschnitten, dass auch ältere MitbürgerInnen sich zusammen in einer Wohnung zu einer Wohngemeinschaft finden können.

Zur Frage der Stadtflucht bestätigte Berndsen die These von Richter, dass die Eigenheimförderung den Wegzug in die Kreise des Niederrheins unterstützt. Er forderte deshalb für Stadtteile wie Hochfeld, verstärkt Bauland anzubieten, um vor allem für junge Familien Eigentumsbildung zu ermöglichen. Seine These war, dass die Bewohner mit Eigentum eine viel stärkere Bindung an die Stadt und ihren Stadtteil entwickeln.

Die etwas provozierende Frage des Moderators, ob denn das, was Berndsen auf der Eigenstrasse betreibe, die Vernichtung von billigem Wohnraum sei, konnte Friedhelm Lenzen vom Mieterschutzverein Groß-Duisburg eindeutig verneinen. Lenzen sieht gerade im Modernisierungsstau eine wichtige Ursache für Leerstände und Stadtflucht. Der Altbaubestand ist aus seiner Sicht zu schlecht ausgestattet und verglichen mit Neubauwohnungen zu teuer. Die Mieten im Altbau sind relativ stärker gestiegen als im Neubau. Darum sollte stärker in eine grundlegende Erneuerung des Altbaubestands investiert werden, damit dieser gerade westlich der Wanheimer Strasse nachhaltig gesichert werden kann. Dazu gehören für Lenzen aber nicht nur Investitionen in die Bausubstanz sondern auch Investitionen in das Umfeld des Wohnens und vor allem in das "Zusammenleben der Kulturen". Diese werden umso dringlicher vor dem Hintergrund, dass in 30 Jahren rund 60% der Bevölkerung (!) unseres Landes einen Migrationshintergrund haben werden.

Ein Stadtmensch bricht eine Lanze für Hochfeld
Franz Beuels vertritt den Teil der Hochfelder Bevölkerung, die sich bewußt in den letzten Jahren im Stadtteil Hochfeld nieder gelassen haben, hier ein Haus erworben haben und mit viel Enthusiasmus daran arbeiten, für sich und seine Mieter ein lebenswertes zu Hause zu schaffen. Er versteht sich selbst als Stadtmensch und sieht in der Urbanität von Hochfeld auch die besondere Qualität des Stadtteils. Gute Einkaufsmöglichkeiten, Nähe zu kulturellen Angeboten und viel Atmosphäre gehören für ihn zu den großen Vorteilen Hochfelds. Darum bleibt ihm auch die "Einfamilienhauskultur des flachen Landes" immer ein wenig fern und die Eigenheimförderung erscheint ihm angesichts der kontinuierlichen Stadtflucht unverständlich. Vielmehr bedarf es einer massiven Eigentumsförderung für den Gebäudebestand, wenn man das Ausbluten der Großstädte des Ruhrgebiets aufhalten will. Aus seiner Sicht muß darum dringend auf allen Ebenen versucht werden, die Attraktivität des Stadtteils zu erhöhen: Maßnahmen im Wohnumfeld sind dabei genauso gefragt wie persönliche Ansprache von Hauseigentümern, die teilweise ihre Häuser stark vernachlässigen.

Häuser TÜV für Altbau?
Ist die Forderung sinnvoll, regelmäßig die Wohngebäude auf Qualität zu prüfen oder sollte man dies dem Markt überlassen, lautet die Frage des Moderators an Georg Jachmich, Geschäftsführer des Vereins der Haus- und Grundeigentümer. Jachmich sieht hier weder eine rechtliche Grundlage noch die tatsächliche Notwendigkeit. Nach seinen Erhebungen sind in Duisburg 80% der Wohnungen "gut" ausgestattet, d.h. sie verfügen über Heizung, Bad und ISO-Verglasung. Im übrigen vertritt Jachmich die These, "ohne Input kein Output", was soviel heißen mag wie, Ausstattung und Zustand der Häuser ist immer ein Abbild dessen, was an Mieten erzielt wird.
Die weiteren Ausführungen von Georg Jachmich, der mit Haus und Grund in Hochfeld rund 450 Wohneinheiten verwaltet, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Das Problem Stadtflucht hat tatsächlich eine wesentliche Ursache in der Eigenheimförderung. Die Fördermittel fließen für die Antragsteller im Umland in gleicher Höhe wie in der Stadt, wo der Bodenpreis erheblich höher sind als in den Umlandgemeinden beispielsweise der Kreise Wesel oder Kleve. Darum ist aus seiner Sicht die bestehenden Förderpraxis eine "Verschleuderung von Fördermitteln" zu Lasten der stetig schrumpfenden Großstädte.

  • Junge Familien müssen an den Stadtteil gebunden werden. Dies gelingt im wesentlichen über die Förderung der Eigentumsbildung. Die Forderung lautet also: Fördermittel müssen in den Wohnungsbestand fließen, damit innerstädtische Bestände über stärkere Eigentumsbildung gesichert und erneuert werden können. Eigentümer binden sich langfristiger an den Stadtteil.

  • Hochfeld hat ein Image-Problem. Dies gilt aber nicht nur für diesen Stadtteil sondern auch beispielsweise für Beek, Bruckhausen, Laar oder Marxloh. In Hochfeld liegt dies zum einen an der Vernachlässigung der Infrastruktur (z.B. Wanheimer Strasse, Schulen, Wohnumfeld) zum anderen am Desinteresse einiger lokaler Unternehmen der Wohnungswirtschaft, sich in Hochfeld zu engagieren. Aus Sicht von Georg Jachmich sollte insbesondere die GEBAG als städtische Wohnungsbaugesellschaft in Stadtteilen wie Hochfeld viel stärker ihrer sozialen Verpflichtung nachkommen und hier mehr investieren als sie es offensichtlich tut.

  • Nur einer konzertierten Aktion unter Beteiligung von Wohnungswirtschaft, Politik und Verwaltung kann es gelingen, das schlechte Image des Stadtteils bzgl. Wohnqualität und Infrastruktur abzubauen. Dazu gehören sowohl stärkere Investitionen in den Wohnungsbestand wie auch die Aufwertung des Wohnumfeldes sowie der Verzicht auf überholte Verkehrsplanungen wie beispielsweise die "Westtangente".

Hauseigentümer beklagen mangelndes Engagement der Stadt und der Mieter
Die nachfolgende Diskussionsrunde wurde eröffnet von Herrn Lux, des sich selbst als "Klein-Investor" mit Wohnungsbeständen in Hochfeld vorstellte. Ihm schien vor allem wichtig darauf hinzuweisen, dass die von Herr Berndsen genannten Mietpreisen zwischen 3,80-4,30 Euro die Ausnahmen seien und nur über öffentliche Förderung möglich gemacht würden. Für ihn als Investor gilt als unteres Maß ein Mietpreise von 4,90 Euro pro Quadratmeter, unter dieser Marke sei kein Wohnungsbestand dauerhaft attraktiv zu erhalten. Ein zweiter wichtiger Punkt war aus Sicht von Herrn Lux, dass die Stadt Duisburg die Bemühungen der Eigentümer über günstige Mietpreise Mieter zu halten und neue zu gewinnen permanent durch Gebührenerhöhung unterläuft. Der regelmäßige und zum Teil nicht mehr nachvollziehbare Anstieg der Nebenkosten (Müll, Abwasser, Straßenreinigung) führt nahezu jährlich zu Kostenerhöhungen und macht jegliche Anstrengung der Eigentümer, attraktive Mietpreise anzubieten zunichte. Im übrigen gehen nach seinem Eindruck die Wirtschaftbetriebe der Stadt mit dem Geld nicht verantwortungsvoll um: Für die Strassenreinigungsgebühr beispielsweise könne er selbst oder andere Dienstleister wesentlich effektiver reinigen.

Attraktiver wird ein Stadtteil nur, wenn einerseits die Häuser renoviert werden und andererseits die Mieter diese Investitionen auch annehmen und wertschätzen. Nach Auffassung von Lux und anderen Eigentümern sind viele Mieter nicht an der Pflege von Wohnungen und Gärten interessiert, sondern pflegen eher die "null-Bock-Haltung". Dies führe bei vielen verantwortungsbewußten und engagierten Bewohnern im Stadtteil zu Resignation. Beispiel dafür ist die Familie Springiewicz, die seit 3 Jahren Hochfelder sind und in der Eigenstrasse wohnen. Sie nehmen die Straße häufig als "Müllhalde" wahr und beklagen sehr die Haltung der Menschen, die zur regelrechten Vermüllung des Stadtteils führt. Trotz der vielen Vorteile des Stadtteils wie gute Einkaufsmöglichkeiten, Nähe zur City und "Multi-Kulti" bedarf es umfangreicher Maßnahmen zur Aufwertung des Stadtteils. Hier setzt Familie Sprengewitz stark auf die geplante Bundesgartenschau, die zum Beispiel endlich einen Zugang zum Rhein ermöglichen würde.

Große Vorbehalte gegen Hochfeld
Auch andere Eigentümer beklagen das schlechte Image des Stadtteils. Obwohl der Stadtteil über hochwertige Altbauwohnungen verfügt, stößt man bei Neuvermietungen immer wieder auf Vorbehalte gegenüber dem Stadtteil, so eine Erfahrung von Mark Paulerberg, Verwalter mehrerer Häuser auf der Wanheimer Strasse. Darum hält er die nun seit fast einem Jahrzehnt geplante Aufwertung der Wanheimer Straße für dringend erforderlich. Nur darüber könne überhaupt eine positive Wende für die "Hauptstrasse" des Stadtteils eingeleitet werden. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die kurzfristig zur Verbesserung des Wohnbedingungen auf der "Wanheimer" führen könnten: Beispielsweise wird das Lärmproblem bei Nacht durch private "Autorennen"(!) verursacht. Diese können nur durch stärkere Polizeipräsenz und regelmäßige Kontrollen verhindert werden. Doch gerade daran fehlt es nach Meinung von Herrn Paulerberg.

Auch Michael Willhardt, seit 2 Jahren Hauseigentümer auf der Eigenstrasse, räumt ein, dass der Müll ein großes Problem im Stadtteil ist, dass man dies aber auch nicht überbewerten dürfe. Auch Willard hält die Erneuerung der Wanheimer Strasse für besonders wichtig für den Stadtteil. Hier muß etwas geschehen, dass über "Fassadenkosmetik" hinausgeht. Nur eine grundlegende Erneuerung der Strasse, die auch endlich beginnen müsse, kann verhindern, dass die Vielfalt und die Standards der Angebote auf der Wanheimer Strasse weiter absinken.

Auch Frau Bestgem, Abteilungsleiterin im städtischen Amt für Wohnen und Soziales, bestätigt die Erfahrung vieler, dass der Stadtteil Hochfeld ein großes Imageproblem hat. Obwohl es hier attraktive Wohnungen gibt, die vergleichbar mit denen in anderen Stadtteilen sind, fällt es immer wieder schwer, diese zu vermieten. Nach ihrer Auffassung verlief die Negativentwicklung in Hochfeld über viele Jahre ohne dass entscheidend gegen gesteuert wurde. So hat man beispielsweise das große Plus des Stadtteils, die fast fußläufige Nähe zum Zentrum niemals herausgearbeitet und in Wert gesetzt. Die Wegverbindungen zur Stadt führen beispielsweise seit vielen Jahrzehnten immer noch über unattraktive und/oder verkehrsreiche Straßen.

Imagekampagne und Signale setzten
Auch wurde Hochfeld in den letzten Jahren mit Förderung für Neubaumaßnahmen vernachlässigt. Dies war ein Versäumnis, denn jeder Stadtteil braucht ein gewisses Maß an Neubau, weil dadurch so etwas wie Aufbruchstimmung entstehen kann. Deshalb ist das "Wohnungsamt" besonders froh über die Maßnahme von Herrn Berndsen in der Eigenstrasse, mit der seit Jahren wieder einmal eine Neubaumaßnahme gefördert wird. Damit kann ein ganzes Häuserensemble von Grund auf erneuert werden und ein Signal für den Stadtteil gesetzt werden, das geeignet ist, andere Investoren zur Nachahmung anzuregen.

Auf die Frage des Moderators, wie denn das schlechte Image des Stadtteils bekämpft werden soll, ist Frau Beskens der Meinung, dass dies nur von den Akteuren im Stadtteil kommen könne. Die Stadt, also Politik und Verwaltung hätten schließlich vorrangig für die großen übergreifenden Planungen wie zum Beispiel BUGA und "Duisburg an den Rhein" gesorgt. Vor allem die Bewohner selbst müßten ihren Stadtteil positiv verkaufen. Eine Meinung, die vor allem bei Judith Haesters, Politikerin im Ortsteil, auf heftige Kritik stieß. Denn: Eine Imagekampagne für Hochfeld kann nicht allein von Innen kommen, sondern muß vor allem von Politik, Verwaltung und EG DU betrieben werden. Viele Menschen im Stadtteil hätten schließlich ganz andere, nämlich existentielle Probleme und könnten sich nicht auch noch um das Image von Hochfeld bemühen.

Kleine, feine Projekte tun Not
Frau Haesters hat sich insbesondere zum Stichwort Eigentumsbildung ihren Vorrednern angeschlossen. Hier fehlt es an konkreten Angeboten für interessierte Familien. Nach ihrer Meinung verfüge der Stadtteil über genügend interessante Grundstücke, die für Neubaumaßnahmen geeignet sind. Sie denke insbesondere an die Johanniter Strasse, wo seit Jahren ein potenzielles Baugrundstück in attraktiver Lage durch eine Werkstatt der Wirtschaftbetriebe Duisburg in völlig unangemessener Art und Weise genutzt wird. Gerade an diesem Standort ließe sich in idealer Weise eine Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungsbau entwickeln.

Petra Wosnitzka, seit Anfang des Jahres mit ihrem Firmensitz in Hochfeld, sieht als "Einwanderin" aus Hamburg die Lage im Stadtteil wesentlich positiver als es in vielen Beiträgen des Abends dargestellt wurde. Auch wenn die Strassenreinigung sicher noch zu verbessern ist, empfindet sie das Umfeld ihres Büros als sehr ansprechend. Der Standort Duisburg wird nach ihrer Erfahrung außerhalb der Stadt viel positiver wahrgenommen als es die Duisburger selbst tun. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, so genannte "schlafende Objekte" aufzuspüren und beabsichtigt, zusammen mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, in Hochfeld ein "Dienstleisterhaus" nach dem Vorbild eines Ärztehauses zu entwickeln.

Der Stadtteilmanager Georg Fobbe kommt in seinem Beitrag nochmal auf das Problem des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen und sozialer Schichten zurück. Nach seiner Auffassung spiegelt das, was Herr Akkurt anfangs über sein eigenes Haus berichtet hat, sehr treffend die Situation im Stadtteil wider. Für Fobbe ist das fehlende gegenseitige Verständnis insbesondere von deutscher und nicht-deutscher Bevölkerung einer der wesentlichen Gründe für ein latentes Unwohlsein zahlreicher Hochfelder BürgerInnen. Dies münde oft in ein fehlendes Verantwortungsbewußtsein und einer gleichgültigen Haltung gegenüber "seinem Stadtteil". Darum appellierte Fobbe an die Anwesenden, gute Projekte und vorbildliche Initiativen zu entwickeln ,die geeignet sind, eine besseres Zusammenleben zu fördern. Dazu biete die EG DU ihre volle Unterstützung an.

In seinem Schlußwort stellt Bodo Mörbitz, als einer der Sprecher vom Runden Tisch für Hochfeld folgende Punkte heraus:

  • Die positive Besucherresonanz des Abends zeigt, dass es für Investoren und Hauseigentümer in Hochfeld einen großen "Kommunikationsbedarf" gibt. Der Runde Tisch wird sich künftig bemühen, diesem Bedarf verstärkt gerecht zu werden. Persönlich will er die Initiative verschiedener hier anwesender Eigentümer unterstützen, eine regelmäßige Kommunikationsstruktur aufzubauen und zu pflegen.

  • Ein besonderes Anliegen des RT ist es, mehr BürgerInnen, insbesondere Investoren und Immobilieneigentümer zu ermutigen, sich im Stadtteil - auch durch kleine Maßnahmen - zu engagieren. Der RT wird sich bemühen, die positiven Projektbeispiele in Hochfeld stärker publik zu machen, um damit positiv für das Image zu arbeiten und Nachahmungseffekte auszulösen.

  • Projekte, die in öffentlicher Hand liegen und dort mehr oder weniger kraftvoll vorangetrieben werden (Brückenplatz, Wanheimer Strasse, Arkaden u.a.m) sollten zeitnah umgesetzt werden, damit auch von kommunaler Seite positive Zeichen gesetzt werden. Die BUGA ist zwar ein hoffnungsvolles Projekt, doch bis zur Eröffnung im Jahre 2011 muß noch ein langer Weg zurückgelegt werden. Vielmehr braucht es in den nächsten 5 Jahren Projekte, die den Willen zur positiven Veränderung deutlich machen. So gibt es beispielsweise im westlichen Hochfeld ein großes Flächenpotenzial, das insbesondere für Wohnbauflächen, Spiel-und Sportflächen zu entwickeln ist.

Gez. Reiner Leuchter, 06.03.03



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